Dr. Franz Alt: „Sonne und Wind schicken uns keine Rechnung“

 

Anlässlich des 15-jährigen Bestehens der EnergieAgentur Speyer-Neustadt/Südpfalz (EA) der Stiftung für Ökologie und Demokratie e.V. fand am 16. November im vollen Victoria-Saal des Kommunikationszentrums der VR-Bank in Rülzheim eine Veranstaltung statt mit dem Journalisten und Buchautor Dr. Franz Alt zum Thema „Unsere Zukunft: Die 3 großen E: Energiesparen, Energieeffizienz und Erneuerbare Energien“.

Der Referent plädierte dafür, die regenerativen Energiequellen wie Sonne, Wind, Gezeitenenergie, Biomasse und Geothermie zu nutzen. „Wußten Sie, dass die Sonne an einem Tag 15.000 mal soviel Energie zur Erde schickt, wie alle Menschen an diesem Tag weltweit verbrauchen?“ fragte Franz Alt zu Beginn seines Vortrages. Und das Schönste sei die Tatsache, dass uns weder Wind noch Sonne Rechnungen schicken würden. Bei seiner Fahrt durch Rülzheim habe er festgestellt, dass hier noch viele Dächer ohne Solaranlage seien. In Deutschland gebe es überhaupt noch ein großes ungenutztes Solarpotenzial auf Dachflächen. Bis zum Jahr 2050 könne der gesamte Energieverbrauch aus erneuerbaren Quellen gespeist werden.  Der erneuerbare Energiemix würde sich dann wie folgt zusammensetzen: 50 % direkte Solarenergie, das heißt: solarer Wasserstoff, Solarzellen, Solarstrom und Solarwärme; 25 % Biomasse aus Schilfgras und Biogas aus landwirtschaftlichen Abfällen; 15 % Windenergie und 10 % Wasserkraft. Vor dem Hintergrund des nicht mehr bestreitbaren menschen-gemachten Klimawandels sei der Umstieg auf erneuerbare Energien äußerst wichtig, um die Zunahme der Erderwärmung zu verhindern. Auch werde die Abhängigkeit von ausländischen Energielieferanten verringert.

Zu Beginn der Veranstaltung hob der Stiftungsvorsitzende Hans-Joachim Ritter die Erfolge der zu Beginn des Jahres 2003 gegründeten EnergieAgentur Speyer-Neustadt/Südpfalz (EA)  hervor. Mit Hilfe des Bundesprogramms „Nationale Stadtentwicklungspolitik“ sei der Aufbau der EA mit Fördermitteln unterstützt worden, so dass es möglich wurde, dass 22 ideelle Netzwerkpartner (Kammern, Kommunen und gemeinnützige Vereine) sowie 33 fördernde Netzwerkpartner gewonnen werden konnten. Innovative EA-Netzwerkpartner haben Vorzeigeprojekte realisiert wie beispielsweise die energetische Sanierung der großen unter Denkmalschutz stehenden Kasernengebäude der ehem. Kaserne „Normand“ in Speyer mit einer Nutzfläche von insgesamt über 10.000 Quadratmetern. In einem anderen Wohnbaugebiet in Speyer, dem ehem. Schlachthofgelände, wurde in das ehem. Schlachthofgebäude ein 100.000-Liter-Behälter zur Warmwasserbereitung des gesamten Gebiets eingebaut. Große Solarparks in Speyer und Neustadt wurden unterstützt. Beim Thema „Windkraft“ haben die EA-Netzwerkpartner juwi, Pfalzwerke und Stadtwerke Speyer GmbH über 40 Windkraftanlagen im Tätigkeitsbereich der EA errichtet. Darüber hinaus fungiert die EA als ideeller Partner der Energie- und Baumesse Speyer. Seit Mitte 2017 werden im Rahmen des EA-Projekts grEEN Palatina 10 große energieintensive Unternehmen gecoacht, die insges. 1.700 GWh Energie für Strom, Wärme und Kälte verbrauchen. Für dieses Projekt habe die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken die Schirmherrschaft übernommen. Die EA-Energieberater Andrea Klein, Reinhard Klinkmüller und Carlo und Petra Urbano haben in den vergangenen 9 Jahren in Rülzheim und Offenbach regelmäßig für die Bevölkerung kostenlose Energie-Impuls-Beratungen angeboten.

Christian Bauchhenss, Regional-Direktor der VR-Bank, der die Veranstaltung unterstützte, beglückwünschte in seinem Grußwort die Stiftung zum 15 jährigen Bestehen der EA und wies darauf hin, dass die  VR-Bank eine eigene Energiegenossenschaft gegründet habe.

EA-Netzwerk grEEN Palatina will viel Energie einsparen

Das 4. Netzwerktreffen des Energieeffizienz-Netzwerkes grEEN Palatina der EnergieAgentur Speyer-Neustadt/Südpfalz (EA) fand am 7. November bei der Firma Südzucker im Werk Offstein statt, das sich genau auf der Grenze zwischen der Pfalz und Rheinhessen befindet. Der EA-Vorsitzende Hans-Joachim Ritter begrüßte die 10 teilnehmenden Unternehmen (Daimler AG Mercedes-Benz, Grace GmbH, Pfalzmarkt für Obst und Gemüse eG, PFW Aerospace AG, RONAL GmbH, Südzucker AG, TWL AG, TEREX Cranes Germany GmbH, Wasgau Produktions- und Handels AG und die Wellpappenfabrik GmbH).

Der leitende Ingenieur des Werks Offstein, Matthias Weibel, erläuterte ausführlich die geschichtliche Entwicklung der Zuckerfabrik, das Unternehmen und den Herstellungsprozess der verschiedenen Zuckerprodukte. Den Anfang nahm das Werk Offstein bereits im Jahre 1850 als der Offsteiner Landwirt Tobias Deiß eine Kartoffelzuckerfabrik und im Jahre 1870 eine Traubenzucker- und Stärkefabrik gründete, die er bald mangels geschäftlichem Erfolg wieder schließen mußte. Doch im Jahre 1883 erfolgte die Gründung einer AG zur Zuckergewinnung aus Zuckerrüben durch Tobias Deiß II mit dem Bankier Gottfried und Felix Herzfeld aus Hannover mit einer Investitionssumme von 477.200 Mark. Heute ist das Werk Offstein Teil der Südzucker-Gruppe mit 29 Fabriken und 2 Raffinerien weltweit. Im Jahr 2017 wurde pro Tag mit 18.673 Tonnen die höchste Menge von Zuckerrüben seit Firmengründung verarbeitet. 1806 Rübenanbauern liefern während der 120 Tage dauernde Kampagne insgesamt zwischen 1,9 bis 2,3 Millionen Tonnen Rüben. Daraus wird jährlich eine Zuckermenge von 300.000 bis 360.000 Tonnen erzeugt. Bei einem Betriebsrundgang konnten sich die Teilnehmer über die Produktionsweise des Unternehmens ausführlich informieren.

Die Energiekosten betragen ca. ein Drittel der jährlichen Gesamtkosten des Unternehmens. Deshalb hat Südzucker, wie auch die anderen Unternehmen des EA-Netzwerkes, ein großes Interesse, Energie einzusparen. Der jährliche  Energieverbrauch der 10 Unternehmen des Netzwerkes grEEN Palatina beträgt für Strom, Wärme und Kühlung rund 1.714 GWh. Deshalb gehen die Bemühungen dahin, möglichst viel Energie und damit Kosten einzusparen. Zur Grundlage der Einsparmöglichkeiten wurden durch das beauftragte Ingenieurbüro die Basisdaten und Einsparpotenziale für die einzelnen Firmen ermittelt. Die Vertreter der 10 Unternehmen waren sich einig, dass in der nächsten Netzwerksitzung im März 2019 die Einsparziele des Netzwerkes aufgrund der Einsparziele der Einzelunternehmen beschlossen werden sollen.

Weitere Themen waren kennzahlenbasierte Mess- und Zähleinrichtungen, des rheinland-pfälzische Förderprogramm EffCheck und die Vorstellung eines Computerprogramms über die Erfassung der Energieverbräuche und Steuerung.