Energetische Sanierung der ehemaligen Kaserne „Normand“ in Speyer

Vorzeigeprojekt der EnergieAgentur Speyer-Neustadt/Südpfalz:

Energetisch sanierte ehem. Kaserne „Normand“ in Speyer

Insges. hat die Firma Osika GmbH 4 Gebäude der ehemaligen Kaserne „Normand“ in Speyer aus dem Jahr 1886 als Modellprojekt der EnergieAgentur Speyer-Neustadt/Südpfalz energetisch und unter Beachtung des Denkmalschutzes vorbildlich saniert.

Die ehemalige Kaserne liegt zentral innerhalb der Stadt Speyer. Nach der fast 120-jährigen Abriegelung des Quartiers gegenüber den angrenzenden Wohngebieten aufgrund der militärischen Nutzung in der Zeit zwischen 1888 – 1997 entwickelte die

Osika GmbH ein Konzept, welches die Monumentalität der Gebäude nicht nur baulich auflösen sollte. Neben der energetischen Sanierung zu KfW-60-Häusern kam das „Haus im Haus – Prinzip“ zum Tragen. Die großen Mannschaftsgebäude mit je 3.500 qm Wohn- und Nutzfläche wurden wie folgt als eigenständige Häuser baulich, aber auch juristisch gemäß der Teilungserklärung aufgeteilt:

Die beiden kleineren Anbauten wurden zu Einfamilienwohnhäusern á 170 qm Wohnfläche mit eigenem Garten; Grundstück 390 qm. Die beiden Flügel rechts und links eines Mannschaftsgebäudes, in denen auch diebeiden Bestandstreppenhäuser vorhanden sind, wurden durch den Einbau vonTrennwänden zu eigenständigen Häusern mit je vier Wohneinheiten übereinander umgewandelt.

Die Eingänge wurden neu konzipiert, so dass jeder Gebäudeteil seinen separaten Eingang mit dahinter liegendem Aufzug und eigener Hausnummer erhielt. In den mittleren Gebäudeteil wurde ein neues Treppenhaus sowie ein Aufzug integriert, um dort einerseits acht Wohneinheiten mit ca. 140 qm Wohnfläche bzw. in dem zweiten Gebäude drei großräumige Praxen mit ca. 330 qm Wohnfläche zu versorgen. So entstanden acht sehr überschaubare kleine Wohnungseigentümergemeinschaften von je 4, 8 und 10 Parteien; die Eigentumsfamilienheime sind autark. Die aufwendig gestaltete Außenanlage wurde durch Rampen ergänzt, um den barrierefreien Zugang zu allen Hauseingängen zu gewährleisten. Selbst die Abstellräume befinden sich ebenerdig im Erdgeschossbereich. Das Einfamilienhaus auf einer Etage – höchst flexibel: Durch selektiven Rückbau von nichttragenden und teils tragenden Wänden wurde ein „leerer“ Grundriss erzeugt, der nur noch die statisch relevanten Wände übrig ließ. An 3 -4 unterschiedlichen Stellen wurden in jedem Gebäudeteil Ver- und Entsorgungsstränge neu eingebaut. Um eines späteren kostspieligen Umbaus vorzugreifen, wurden bereits heute diverse Abfangungen und Öffnungsmöglichkeiten in der Treppenhauswand vorgesehen, so dass mit nur wenigen einfachen Maßnahmen ein Loft von 190 qm in eine Einheit von 140 qm und ein Appartement von 50 qm umgewandelt werden kann. Juristisch ist dies bereits in der Gemeinschaftsordnung geregelt, so dass auch hier jeder Bewohner unabhängig von den anderen Mitbewohnern handeln kann.Die individuelle Planung eines jeden Grundrisses mit den künftigen Eigentümern wurde durch das vorgegebene Konzept der Osika GmbH möglich. Dieses sah vor, die positiven Aspekte diverser Erwerbsmodelle zu kombinieren, einerseits eine Festpreisgarantie und Gewährleistung aus einer Hand hinsichtlich der zu verändernden Altbausubstanz bis Phase „Endausbau“ insbesondere der energetischen Sanierung mit Innendämmung in Kombination mit dezentralen Wärmerückgewinnungsanlagen, andererseits planen mit Architekten, um eine optimale auf das eigene Bedürfnis ausgerichtete Grundrisslösung zu erzielen und die Wahl der letztlich sichtbaren Oberflächen und Ausstattungsgegenstände selbst zu bestimmen. Engagiert, d.h. Eigentum gebildet, haben sich dort Personen im Alter zwischen 35 – 75 Jahren, die als junge und ältere Singles, als junge und ältere Paare mit und ohne Kindern die Entscheidung gegen das freistehende Einfamilienhaus auf der grünen Wiese bewusst getroffen haben. Für alle stand der Aspekt der hohen Lebensqualität in einem solchen Konzept in einem Objekt innerstädtischer Lage im Vordergrund. Innerstädtische Quartiere in europäischen Städten haben ihren Reiz und Charme durch die gewachsene historische Gebäudestruktur. Dies verleiht der Stadt ihre Identität. Die Menschen entdecken die Innenstädte als Wohnraum wieder neu. Die Stadtzentren gewinnen zunehmend an Attraktivität; für Singles, junge Paare, Familien und ältere Personen, die nicht mehr außerhalb des Geschehens leben wollen und denen die Stadt mit ihrer einzigartigen Versorgungsstruktur die beste Wohnlage bietet. Gerade mit Projekten wie die energetische Sanierung der ehemaligen Kaserne „Normand“ in Speyer bekommt das Leitbild einer nachhaltigen Stadtentwicklung aufgrund der „Leipzig Charta“ ein konkretes Gesicht. Aufgrund des Strukturwandels entstehen in europäischen Städten zunehmend neue innerstädtische Konversionsflächen (Verlagerung oder Schließung von industriell oder militärisch genutzten Anlagen und Grundstücken). Diese Areale und Gebäude, die ihre Funktion verloren haben, bieten nun Raum für individuelle, nachhaltige Konzepte. Ein wesentliches Augenmerk beim Klimaschutz ist deshalb auf die Stadtentwicklungspolitik für diese „Keimzellen und Stadtbausteine“ zu richten. Regionale Vielfalt und Identität stellen deshalb ein wichtiges Stadtentwicklungs– und Profilierungspotential im Sinne der „Leipzig-Charta“ dar. Das Einbinden auch denkmalgeschützter Gebäude in die Zukunftsperspektive 2020 ist von größter Bedeutung bei der Zielsetzung energieautarker Häuser und Quartiere ohne Identitätsverlust. Die Bestandsimmobilien unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit, die gebaute Architektur als Ressource erkennend, an zeitgemäße Nutzeranforderungen und an die demographische Entwicklung anzupassen, erfordert eine Beschleunigung der Anpassungsmaßnahmen im Bestand. Beginnend mit einer integrierten Planung und der Einbeziehung von Netzwerken aller beteiligten Akteure wie Projektentwicklung, Stadtwerke, Verwaltung, Architekten, Fachplaner, Investoren und Nutzer (Konsensbildung in Gremien und Behörden) mittels Modellvorhaben, unterstützt durch die deutsche Energieagentur DENA sowie der Nationalen Stadtentwicklungspolitik können übergeordnete Ziele der Nachhaltigkeit in vielen Bereichen in kurzer Zeit erreicht werden. Die nachhaltige Quartiersentwicklung im Bestand ist daher ein zentrales Ziel, d.h. sozial offen, Generationen übergreifend, dem kulturellen Erbe verpflichtet, funktional differenziert, ökologisch sinnvoll, bautechnisch ambitioniert, stadträumlich vernetzend, den öffentlichen Raum entfaltend und ohne zusätzlichen Flächenverbrauch. Die heutigen Wohngebäude und deren Umgebung bieten für alle Generationen und sozialen Strukturen (Alleinstehende oder Familien mit Kindern) eine hohe Lebensqualität. Das Klinikum, Schulen, Kindergarten, Pflegeeinrichtungen, öffentliche Verkehrsmittel, ein Park befinden sich im Umkreis von 10 – 500 Metern zu den Wohneinheiten. Im Quartier selbst wird ein kleiner Park entstehen, die Straßen sind heute schon mit Bäumen besäumt. Jedes Gebäude verfügt über eine aufwendig gestaltete und begrünte Außenanlage im Eigentum der Bewohner. Die zu sanierende Gesamtfläche in den Gebäuden beträgt 8.500 qm bzw. 49.500 cbm umbauter Raum. Die Neukonzeption sieht die Umnutzung in Wohn-Lofts, klassische Wohnungen, Einfamilienhäuser und Büros/Praxen vor. Die Gesamtanlage wurde in verschiedene, kleinere, kostenautarke und überschaubarere Untereinheiten aufgeteilt: 4 Einfamilienhäuser, 2 Mehrfamilienhäuser mit je 8 Wohneinheiten, 2 große ehemalige Mannschaftsgebäude mit jeweils 14 bzw. 22 Wohneinheiten, die wiederum in 3 Untergemeinschaften differenziert wurden. Es wurde zur Steigerung der Qualität ausdrücklich auf die hohe Ausnutzung des Erdgeschosses zugunsten von großzügigen Eingangsbereichen verzichtet. Darüber hinaus bieten die vorhandenen Gewölberäume Gelegenheit, gemeinschaftliche oder kreative Nutzungen unterzubringen.

  • Einteilung in überschaubare Eigentümergemeinschaften
  • Ergänzung von individuellen Freibereichen (Balkone, Terrassen, Gartenanteile) für jede Nutzungseinheit
  • unterschiedliche Wohnungsangebote für verschiedene Nutzergruppen
  • Entwicklung individueller Grundrisskonzeptionen vom 1-Zimmer-Appartment bis zum Loft
  • Nutzungsmischung mit Gewerbe
  • differenzierte Außenanlagen als integraler Bestandteil des Projektes

Damit wird ein impulsgebender „Stadtbaustein“ wieder in die Stadt eingefügt, der nicht nur für sich selbst nachhaltig saniert und entwickelt wird, sondern darüber hinaus in die angrenzenden Stadtteile wirkt. 1888 wurde die Pionierkaserne nach Plänen des Architekten Franz Schöberl errichtet. Zwei Mannschaftsgebäude, ein Post- und ein Wachgebäude sowie das Offizierskasino bilden den baulichen Rahmen für den Exerzierplatz. Nach dem 2. Weltkrieg nutzten die französischen Streitkräfte das 12 ha große Kasernenareal „Normand“ und es blieb für die Stadtbewohner weiterhin abgeriegelt. Die Stadtteile entwickelten sich um das geschlossene Areal herum und somit lag 1997 ein zentraler innerstädtischer Raum frei zur Umnutzung und Bebauung. 2003/2004 beginnt die abschnittsweise Revitalisierung durch die Osika Projektentwicklung GmbH (voraussichtliche Fertigstellung Ende 2008/ Beginn 2009). Neben diversen geplanten Neubauten im Innenbereich rückt die gesamte historische Rahmenbebauung in das Interesse der Entwicklung. Die identitätsstiftende Aufgabe des Baubestandes für das gesamte Quartier wurde allen Beteiligten deutlich, was eine qualitativ hochwertige Entwicklung der Gesamtanlage ermöglichte. Aufgrund des Denkmalschutzes wurde ein innovatives Gesamtkonzept für eine nachhaltige, energieeffiziente Sanierung erarbeitet, um die Gebäudesubstanz in ihrer historischen Bedeutung zu erhalten, in der Bausubstanz zu sichern und den heutigen Anforderungen optimal gerecht zu werden. Dafür wurde im Innenbereich, wo notwendig und vertretbar, selektiver Rückbau betrieben, um flexible und großzügige Raumkonzepte zu erreichen. Darüber hinaus wurde das Dachgeschoss für Wohnnutzungen erschlossen und statisch ertüchtigt. Der Einbau von neuen Erschließungselementen (Treppenhäuser und Aufzug) wurde als bereichernde Gelegenheit und Differenzierung der Gebäude genutzt. Die Innendämmung ermöglicht den Erhalt aller architektonischen Zierelemente, die in hoher Qualität erhalten sind. Die Substanz des Ziegel- und Sandsteinbaus mit Holzbalkendecken konnte technisch wie in der Anmutung saniert werden. Die neuen Bauteile wurden in Stahl und Sichtbeton als neuzeitliche Zutaten abgehoben. In der nachhaltigen Sanierung von Altbauten steckt ein großes energetisches Einsparpotenzial; die gebaute Architektur selbst stellt bereits eine gespeicherte materielle Ressource dar. Das Konzept sieht, durch das Bündeln von innovativen Detaillösungen, die energieeffiziente Sanierung der Altbestände vor, sowie die CO2-neutrale Versorgung des gesamten Areals mit Nahwärme aus regenerativen Rohstoffen (Biomasse und Solarenergie). Dies geschieht durch die energieeffiziente Sanierung größtenteils mit Passivhauskomponenten und im Quartierskontext durch die dezentrale autarke Versorgung mit erneuerbaren Energien (Nahwärmeversorgungsnetz). Als Modellprojekt der Deutschen Energie Agentur (dena) „zukunft haus“ werden Teile der Gebäude nach der Sanierung im Vergleich zu einem neu errichteten Gebäude ca. 50% weniger Energie verbrauchen. Die meisten Gebäude entsprechen der EnEV KfW- 60 Häuser (normiertes Kennzeichnungsverfahren) und sparen über 80% des Primärenergiebedarfs ein. Alle Außenfassaden erhalten eine Innenschale mit 10 cm Mineralwolldämmung und denkmalgerechte Fenster mit Isolierverglasung. Das Dach wird mit 24 cm Mineralwolle ertüchtigt und die Decke über EG als „6. Fassade“ ebenfalls mit 13 cm gedämmt. Alle Wohneinheiten erhalten eine dezentrale geregelte Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung.

  • Innendämmung der Fassaden
  • neue denkmalgerechte Fenster mit 1,1 U-Wert,
  • Dämmung der Dächer
  • geregelte Lüftung mit Wärmerückgewinnung (92%)
  • Anbau der Balkone freitragend ohne Wärmebrücken
  • CO2-neutrales Heizsystem mit Nahwärmenetz aus Biomasse (Holzhackschnitzel) und Solarenergie für die Wärmeversorgung des Quartiers „Normand“
  • Fußbodenheizung als statische Niedertemperaturheizfläche
  • Einsparung des Primärenergiebedarfs um über 80%
  • EnEV KfW- 60 Häuser (normiertes Kennzeichnungsverfahren)
  • Verwendung von Passivhauselementen
  • Regenwasserversickerung des Oberflächenwassers des ganzen Quartiers

 

Die Energiekennwerte der sanierten ehemaligen Kasernengebäude durch die Firma Osika sind:

Primärenergiebedarf:

81,36 kWh/qm/a. Der berechnete Wert („Gesamtenergieffizienz“) = 14,5 kWh/(m2a) unterschreitet diesen um 82,2 %. Der zulässige Transmissionswärmeverlust von 0,68 wird um 42,7 % unterschritten. Hier wirken sich die großen Anstrengungen der Fa. Osika GmbH aus zur energetischen Gebäudesanierung mit Innendämmung, mechanischer Lüftung, neuer denkmalgerechte Fenster mit einem U-Wert von 1,1 und das quartiersbezogene regenerative Energiekonzept des EA-Netzwerkpartners Stadt Speyer.

Endenergiebedarf = 51,2 kWh/(m2a)

Primärenergiebedarf

CO2 Emissionen = 15,4 KG/m2a)

CO2 Einsparung = 52,23 kgCO2/m2a

(aus bedarfsbasierter Energieausweis, dena)

Die großzügigen Raumzuschnitte des Bestandes erlauben die Entwicklung von innovativen und nachhaltigen Grundrisskonzepten, im wohnungswirtschaftlichen und gewerblichen Bereich gleichermaßen. Die Ergebnisse des selektiven Rückbaus, der die tragenden Wände erhalten und größere Raumzusammenhänge geschaffen hat, sowie der Innenausbau in Trockenbau schaffen die Möglichkeit, anspruchsvolle, hochwertige und bedarfsorientierte Angebote für verschiedene Nutzergruppen anzubieten:

  • familiengerechte Loftwohnungen für 3-5–köpfige Familien in verschiedenen Größen
  • Alleinstehende, Alleinerziehende und Paare mit besonderen Vorstellungen von Großzügigkeit und Lebensstil
  • hochwertige und flexible Gewerbeeinheiten
  • Eigennutzer wie Kapitalanleger
  • individuelle Raumzuschnitte und unkonventionelle Lösungen
  • 1-Zimmerappartments

Allen gemeinsam sind die individuelle, nutzerorientierte Entwicklung des Konzeptes jeder Wohnung des Käufers mit den Architekten und die Durchplanung bis zur Werk- und Detailplanung, Lichtplanung und die Bauüberwachung. Offenheit als Wohn- und Nutzungsprinzip wurde in allen Wohnungen und Gewerbeeinheiten in verschiedenen Graden erreicht. Dadurch verfügt dieses Quartier über eine sehr stabile Sozialstruktur, die in die umliegenden Siedlungsgebiete stabilisierend, beispielgebend und belebend wirken wird. Das gelungene Vorzeigeobjekt der EnergieAgentur Speyer-Neustadt/Südpfalz ist auch Demonstrationsprojekt der DENA und wurde mit dem Weltnachhaltigkeitspreis in Melborne ausgezeichnet.